Nachkommen und Erben Abrahams (Galater 3,29)
Einstieg:
Ein Mann kommt an einer Baustelle vorbei und sieht Arbeiter Steine behauen.
Er fragt den ersten: »Was machen Sie da?« Antwort: »Ich klopfe Steine.«
Der Mann geht weiter und fragt einen anderen Arbeiter auf der Baustelle: „Was machen Sie?“ Der erklärt: »Ich baue eine Mauer.«
Schließlich trifft er auf einen dritten Arbeiter, und auf die Frage, woran er gerade arbeitet, gibt der zur Antwort: »Ich baue einen Dom.«
Sehen wir nur den Stein? Die Aufgabe die grad vor uns liegt? Oder sehen wir den Dom, die Vision, der grosse Zusammenhang?
Willkommen in der Kirche Bild, wir sind mitten in der Serie «Kirche – warum ich sie liebe!».
Mein Input heute trägt den Titel: «Weil sie Gottes faszinierendes Projekt ist»
Zum Verstehen, was für ein faszinierendes Projekt das ist, dass Gott da geplant hat, tauchen wir heute tief ein in die Geschichte.
Unter anderem lernen wir einen Mann kennen, der vor 4000 Jahren gelebt hat.
Wie steht das alles in Zusammenhang und was hat das alles mit uns zu tun?
Doch zuerst nochmals zurück zu den Steinen und dem Dom.
Wer von euch war schon mal in Barcelona?
In Barcelona gibt es ein paar ganz besonders schöne Steine zum betrachten, leider war ich selber noch nie dort.
Und zwar entsteht dort ein Dom, der prächtiger und grösser sein soll, als alle anderen Kirchen auf der Welt.
Dieses Jahr, 2026, soll der grösste Kirchturm der Welt eingeweiht werden.
Und zwar pünktlich zum 100. Todestags des Architekten!
Ja ihr habt richtig gehört, der Baumeister dieses einzigartigen Projekt ist vor 100 Jahren gestorben.
Die Rede ist vom Katalanen Antoni Gaudi und seiner Kirche «Sagrada Famiglia», was soviel wie «Heilige Familie» bedeutet.
Die Kathedrale im modernistischen Stil, hat Platz für 10’000 Menschen.
Gaudi selbst litt schon seit seiner Kindheit an einer Rheumatischen Erkrankung und konnte nicht mit den anderen Kindern spielen.
Stattdessen hat er stundenlang die Natur beobachtet und daraus später sein architektonischer Stil abgeleitet.
Er übernahm im Jahr 1883 die Leitung der Dom-Baustelle, von der es hiess, dass sie im Jahr 2035 fertig gestellt werden würde.
Gaudi hat also gewusst, dass er an etwas Grösserem baut, das seine eigene Lebenszeit bei weitem übersteigt.
Er hat nicht nur den Stein vor Augen gesehen, sondern den Dom, vor seinem geistigen Auge.
Wir Menschen sind manchmal so verstrickt in Alltäglichkeiten, dass wir die grossen Zusammenhänge, die langfristige Vision aus den Augen verlieren können.
Gott aber denkt in noch viel grösseren Zusammenhängen als Gaudi!
Entsprechend ist die Bibel voll von Verheissungen und Plänen, die sich über Jahrtausende erstrecken.
Manchmal kann das alles ganz schön kompliziert oder abstrakt wirken für uns moderne Menschen.
Aber wenn sich einem plötzlich die Erkenntnis dahinter erschliesst, eröffnet das ganz neue Perspektiven und Einsichten.
Ein Schlüsselvers, dem wir heute auf den Grund gehen wollen ist Galater 3,29: «Wenn ihr aber Christus gehört, dann seid ihr Nachkommen Abrahams und gemäss der Verheissung seine Erben»
Ich weiss nicht, ob der Vers bei den heutigen Jungen noch zieht, so wie damals als Paulus diesen Satz an die Gemeinde der Galater geschrieben hat.
«Nachkomme Abrahams? Kein Plan wer das isch, aber Erbe tönt doch guet, da bekommt man etwas oder?
Ungefähr so, ja. Ihr seht also, wir brauchen heute ein bisschen einen Anfahrtsweg, damit wir das Geheimnis entschlüsseln können.
Was hat es mit Zugehörigkeit und Nachkommenschaft auf sich und wer war dieser Abraham? Was hat der nochmals gemacht?
Hauptteil1: Zugehörigkeit schafft Identität
Was ist mit dir? Wo gehörst du dazu?
Wir Menschen sehnen uns nach Zugehörigkeit zu einer Gruppe, die uns definiert.
In der heutigen Zeit sagen wir: «Ich bestimme selbst, wer oder was ich bin».
Gleichzeitig prägt uns unsere Herkunft manchmal stärker als uns lieb ist.
Ich bin in einem kleinen St. Galler Dorf aufgewachsen. Als Junger Bube wurde man manchmal im Dorfladen oder beim Beck von älteren Leuten gefragt:
«Was bisch den du für eine»? «Ja was bin ich für eine»? Gute Frage!
Ich bin de SOWIESO, habe ich da geantwortet.
«Jä nei» meinten die älteren Leute, «Von welchem Geschlecht».
«Vo welchem Geschlecht… Ja männlich denks» habe ich gesagt und fand die Frage saudumm.
Wie sich dann herausgestellt hat, war mit dem Geschlecht der Familienname gemeint und nicht wie heute männlich, weiblich oder divers.
«Ah en SOUNDSO», das hätten sie gleich gedacht, ich sähe schon von weitem aus wie ein SOUNDSO. Von welchem SOUNDSO denn? Ah vom Karl…
Damit war alles gesagt. Man wusste wer ich war.
Mein Grossvater hiess Karl, mein Vater hiess Karl, ich hätte als Erstgeborener eigentlich Karl heissen sollen.
Die SOUNDSO's, die waren über Generationen Posthalter im Dorf, verbunden mit dem Militär, dem Musikverein und der Katholischen Kirche, so einfach war das.
Ich weiss nicht, ob du dich schon mal mit deinem Stammbaum auseinandergesetzt hast und Ahnenforschung betrieben hast.
Also mein Vater hat sich das, seit er pensioniert ist, zum Hobby gemacht und konnte den Zweig unserer Familie Schönenberger bis zurück ins 16. Jahrhundert in die Region Untertoggenburg zurückverfolgen.
Adelige waren wir nie, die einen schönen Berg besitzt haben.
Arme Bauern mit einem steilen Blätz Land, vom schönen Berg, so hat man den steilen Winkel im Toggenburg damals genannt und er ist bis heute unser Name geblieben.
Also ich finde es einerseits Interessant, sich mit der eigenen Herkunft auseinanderzusetzen.
Andererseits möchte ich mich nicht dadurch definieren lassen und habe dem dörflichen Leben den Rücken gekehrt und bin ein Städter geworden.
Es gibt aber noch andere Zugehörigkeiten die uns definieren.
Wir definieren uns über unsere Nationalität, wir sind Schweizer!
Oder haben vielleicht sogar Vorfahren aus unterschiedlichen Ländern?
Wir fühlen uns verbunden mit unserer Region. St. Gallen. Ostschweiz. Das Appenzellerland. Der Bodensee. Der FCSG.
Wir werden definiert durch unser Beruf. Durch unser Geschlecht und Alter. Durch unser Musikgeschmack und Interessen.
Zugehörigkeit ist uns Menschen wichtig.
Wir möchten zu einer Gruppe, einer Kernfamilie, einer Clique gehören, wo man uns als ebenbürtig annimmt und uns respektiert.
Vor allem für Teenager und junge Erwachsene kann das eine schwierige Zeit des Suchens sein. Wo passe ich hin? Wo gehöre ich dazu?
Für mich jedenfalls war es als Jugendlicher immer wichtig in einer Freundesclique dabei zu sein.
Das war aber leider auch oft verbunden mit Anpassungsdruck, Werten, die nicht die meinen waren, ausgeschlossen werden und so weiter.
Ich glaube wir haben das alle erlebt und durchgemacht.
Man sehnt sich nach einer Zugehörigkeit und findet sie nicht. Das lässt einem unsicher werden.
Schön, dass wir aber zu Jesus Christus gehören dürfen!
Er schenkt uns Identität und nimmt uns liebevoll an. Und genau darum, um diesen Plan, den Gott für uns hat, geht es heute.
Heute ist es für mich einfacher geworden, meine Identität wurde sozusagen geformt.
Ich gehöre zu Jesus.
Ich gehöre zu meiner Frau.
Ich gehöre zu meinem Sohn, meiner Kirche, meinem Arbeitgeber.
Ich durfte meine Persönlichkeit entdecken und meine Identität konnte sozusagen ausreifen.
Trotzdem glaube ich, dass uns das Thema Identität ein Leben lang begleitet.
Das Leben bleibt nie still, sondern ändert sich ständig.
Man wird vom Lehrling zum Lehrmeister. Von Kind zur Mutter oder zum Vater.
Irgendwann: «Empty Nest», die Identitätssuche startet von vorn.
Oder man bleibt Single oder Kinderlos, während alle anderen heiraten und Kinder haben.
Wie prägt das alles meine Identität?
Umso wichtiger, dass wir eine beständige Zugehörigkeit erlangen, die nie vergeht – Und genau diese will Gott uns schenken.
Er nimmt uns an, wie wir sind.
Bei ihm haben wir nicht den falschen Look, sind nicht zu arm oder haben die falsche Herkunft, weder zuwenige noch zuviele Kinder um zu ihm zu kommen.
Wir dürfen zu Jesus Christus gehören, zu seiner Kirche. Das ist unsere Identität.
Deshalb heisst es im Galater 3,27: zwei Verse vor unserem Schlüsselvers: Ihr alle nämlich, die ihr auf Christus getauft wurdet, habt Christus angezogen. Da ist weder Jude noch Grieche, da ist weder Sklave noch Freier, da ist nicht Mann und Frau. Denn ihr seid alle eins in Christus Jesus. Wenn ihr aber zu Christus gehört, (und ja genau, wir gehören zu Christus) dann seid ihr Nachkommen Abrahams und gemäss der Verheissung seine Erben.
Hauptteil 2: Glaubensvater Abraham
Wir sind also Nachkommen Abrahams. Abraham? Wer war das gleich nochmals?
Über Abraham lesen wir im Alten Testament im Buch Genesis, das ist das 1. Buch Mose, ab dem Kapitel 12.
Er gilt als Stammvater von drei Weltreligionen, da sich einerseits das Judentum, dadurch das Christentum und auch der Islam auf Abraham als Ursprung beziehen.
Ausserhalb der Bibel gibt es keine Quellen oder Ausgrabungen, die Zeugnis von Abraham geben, dafür ist er schlichtweg zu alt.
Aber die Bücher Mose, die Psalmen und Propheten und auch das neue Testament nehmen immer wieder Bezug auf Abraham, womit er eine sehr zentrale Stelle einnimmt.
Also, was wissen wir über Abraham?
Abraham stammt aus Ur in Chaldäa, heisst es, eine Stadt im heutigen Irak, wo er vor über 4000 Jahren mit seiner Familie gelebt hat.
Wir wissen, dass zur Zeit Noahs, Gott mit der Menschheit einen Neuanfang machte und dann über Generationen schwieg, zumindest ist nichts aufgezeichnet.
10 Generationen nach Noah, offenbart sich Gott nun Abraham und seinem Vater Terach und ruft sie auf, aus Ihrer Heimat auszuziehen in ein anderes Land über tausende von Kilometern, zu Fuss.
Sie werden aufgefordert sich in Haran, der heutigen Türkei niederzulassen. Als dann Abrahams Vater Terach stirbt, geht Gottes Wort erneut an ihn:
Er solle weiterziehen von Haran in das Land, das Gott ihm und seinen Nachkommen geben wird: das gelobte Land Kanaan.
Abraham hat eine Frau, Sarah. Sie leben als Halbnomaden.
Sie züchten Schafe und Rinder und ziehen mit Ihren Herden immer wieder an gute Weideplätze. Davon leben sie.
Gott hat sich Abraham gezeigt, aber sonst kennen die Menschen Gott nicht mehr.
Jedenfalls musst er aus einem Land ausziehen, in dem die Menschen einen Mondkult praktizierten.
Aber mit Abraham spricht Gott immer wieder, weiht ihn in seine Pläne ein und zeigt ihm, was er für ihn alles bereit hält.
Abraham glaubte Gott und wird als Freund Gottes bezeichnet. Abraham vertraute Gott, er hörte nicht nur, sondern er handelte nach dem, was Gott ihm zeigt.
Aber einmal schien auch der Glaube Abrahams zu klein zu sein.
Gott verhiess ihm nämlich, dass er und seine Frau Sarah einen Sohn bekommen sollten.
Dabei war Abraham schon 100 jährig und seine Frau 90! Wie soll den das gehen? Da musste Abraham lachen!
Aber Gott hat es ihm nicht übel genommen sondern gesagt: deine Nachkommen werden so zahlreich sein, wie die Sterne am Himmel!
Wow! Sterne am Himmel gibt es nämlich so viele, das selbst die moderne Wissenschaft heute nicht sagen kann wie viele Trillionen es wirklich sind, zuviele zum zählen.
«Blicke auf zum Himmel und zähle die Sterne, wenn du sie zählen kannst. So zahlreich werden deine Nachkommen sein. Und Abraham glaubte dem HERRN, und das rechnete er ihm als Gerechtigkeit an. » 1. Mose 15, 5-6
Abraham wird daher auf Bildern, wie diesem meist so dargestellt: der alte Mann mit den Sternen.
Vielleicht hat er tatsächlich oft Nachts in die Sterne geschaut und sich an die Verheissung erinnert.
Jedenfalls lässt der verheissene Sohn auf sich warten. Da beschliessen Abraham und Sarah das Heft selber in die Hand zu nehmen, statt zu warten.
Vielleicht klappt es ja, wenn Abraham mit der jungen ägyptischen Magd von Sarah schläft und sie zur Nebenfrau nimmt, dass der verheissene Sohn endlich kommt.
Ismael wird geboren, der Stammvater der Araber, angeblich ein Vorfahre vom späteren Propheten Mohammed, aber es ist nicht der Weg Gottes, nicht der verheissene Sohn.
Doch Gott bleibt seiner Verheissung treu, die er dann auch erfüllt, Sarah gebiert Isaak, der Sohn der Verheissung.
Aus ihm, respektive seinem Sohn Jakob gehen später die 12 Stämme Israels hervor.
Interessant am Leben von Abraham ist, dass Gott mit ihm einen Weg geht, der das spätere Schicksal des Volk Israels bereits vorzeichnet.
Alles was das Volk später durchmacht, erlebt Abraham bereits. Die Parallelen sind wirklich erstaunlich.
Ich bin überzeugt, dass Gott als weiser Baumeister und Architekt, mit Abraham einen Plan hatte, der sich über Israel und Jesus an uns erfüllt.
Gott verheisst ihm das gelobte Land.
Abraham muss aber nach Ägypten fliehen, wegen einer grossen Hungersnot.
Abraham zieht durch die Wüste, lebt als Fremder unter Fremden.
Doch Gott schliesst mit ihm einen Bund am Berg Sinai, so wie später mit Mose:
Abraham und alle Nachkommen, die aus dem verheissenen Sohn Isaak hervorgehen werden, sollen Gottes Volk sein.
Als Zeichen des Bundes soll alles was männlich ist am 8. Tag beschnitten werden, das war das Bundeszeichen, eine Art Fruchtbarkeitsopfer.
Er zeigt ihm schon auf, dass auch seine Nachkommen, das junge Volk Israel als Fremde in Ägypten dienen sollen, bis die Zeit erfüllt war, das gelobte Land einzunehmen.
Abraham gab als erster den Zehnten, an den Priesterkönig Melchisedek, so wie später das Volk es tat.
Abraham konnte das Land in Besitz nehmen, indem er sich eine Grabstätte kaufen konnte. Dort wo die Ahnen liegen, dort ist Heimat, so wie noch heute in vielen Kulturen.
Der Gipfel der Abraham Parallele liegt für mich aber in dem Opfer von Isaak in 1. Mose 22.
Ihr müsst euch vorstellen: Der geliebte, verheissene Sohn Isaak, soll sich mit Abraham zusammen auf den Berg Moria aufmachen, den Gott ihm zeigt, um ihn dort als Opfer darbringen.
Will Gott wirklich, dass Abraham seinen eigenen Sohn als Opfer bringt? Das wäre ja grausam? Was ist das für ein Gott, der sowas verlangt.
Aber Abraham vertraut Gott, weiss es kommt alles gut. Schliesslich hat Gott ihm verheissen, dass aus Isaak Nachkommen wie Sterne am Himmel abstammen werden!
Hebräer 11,19 erklärt es so: «Abraham war überzeugt, dass Gott sogar die Macht hat, Tote aufzuerwecken“.
Er schichtet den Altar und das Holz auf. Bindet seinen Sohn an und legt ihm das Messer an die Kehle.
In dem Moment greift Gott ein: Ein Engel ruft vom Himmel runter: «Stopp, mach dem Jungen nichts. Ich sehe, dass du Gott nichts vorenthältst.»
Da bemerken sie einen Widder, der sich mit seinen Hörnern im Gestrüpp verfangen hat und bringen ihn als Opfer dar.
Jetzt erneuert Gott seinen Segen: deine Nachkommen werden so zahlreich sein, wie die Sterne am Himmel und der Sand an dem Ufer der Meere, weil du auf meine Stimme gehört hast.
Danach lebte Abraham noch bis er 175 Jahre alt war.
Gott segnete ihn und machte ihn zu einem sehr reichen und angesehenen Mann.
Hauptteil 3: Die Gemeinde, Gottes Volk
Schöne Geschichte, die von Abraham.
Aber was ist mit uns? Sind wir denn auch Nachkommen von Abraham?
Also ich jedenfalls kann meine Stammbaum nicht bis zu Abraham zurückverfolgen und von diesem Segensbund der Beschneidung ist in meiner Kultur nichts bekannt.
Aber zweitausend Jahre später wiederholt sich die Geschichte, am gleichen Ort.
Der Berg Moria, wo der verheissene Sohn Isaak fast geopfert wurde, ist nun ein Hügel oberhalb der Stadt Jerusalem.
Viel ist passiert seither. Die Weltbevölkerung ist gewachsen, ein Römisches Reich regiert den ganzen Mittelmeerraum und das Volk Israel hat das gelobte Land an Babylon verloren:
Ein Teil konnte zurückkommen und Jerusalem wieder aufbauen, lebt nun doch unfrei unter fremden Herrschern.
Hier lebt nun ein Mann, der sich Jesus aus Nazareth nennt.
Er sei der verheissene Sohn Gottes. Der Menschensohn, der Messias, was Gesalbter bedeutet.
Für diese Aussagen wird der Mann zum Tode am Kreuz verurteilt, am selben Ort wie Abraham mit Isaak stand.
Doch diesmal ist es anders. Jesus ist kein Gotteslästerer. Er ist wirklich der Sohn Gottes.
Und Gott ist dazu bereit, wovor er Abraham verschont hat. Seinen eigenen Sohn zu Opfern.
So erfüllt sich die Verheissung. Das Gesetz Mose wird erfüllt und ein neuer Bund der Gnade bricht an, in Jesus.
Alle Menschen, die zu Christus gehören, dürfen jetzt Nachkommen Abrahams sein und gemäss der Verheissung seine Erben!
Halleluja!
Jetzt verstehen wir den Bogen von Abraham zu Jesus.
Ja wir gehören zu Jesus Christus. Das ist unsere Identität, unsere Legitimation Kinder Gottes zu sein.
Und damit erben wir auch den Segen Abrahams, gehören zu Gottes Volk. Sind teil des Abraham-Projekts.
Es ist der grosse Meisterplan Gottes, den er in Jesus erfüllt.
Die Gute Nachricht für alle Menschen.
Für die Juden, war die Abstammung von Abraham ihre Legitimation, um zu Gott zu gehören.
Daher war für sie Abstammung so wichtig. Wir lesen in der Bibel immer wieder lange Generationenlisten, wer von wem abstammt.
Gibst du jemandem die Bibel in die Hand und er beginnt in Matthäus 1,1 zu lesen, hört er als erstes: Stammbaum Jesu Christi, des Sohnes Davids, des Sohnes Abrahams: Abraham zeugte Isaak, Isaak zeugte Jakob, Jakob zeugte Juda und seine Brüder…
Was für uns vielleicht langweilig tönt, war damals wichtig. Jesus war ein legitimer König.
Seine Abstammung lässt sich auf David und Abraham zurückführen.
Das neue Testament legt dann weiter aus, dass wir auch zu dem Volk gehören. Dabei sind wir nicht am Fleisch, sondern am Herzen beschnitten.
Wir sind der neue Zeig, der in den alten Wurzelstock eingepfropft wird.
Wir sind an seinen Tisch geladen, da die ursprünglich eingeladenen Hochzeitsgäste nicht erschienen sind.
Abraham war ein Freund Gottes. Auch wir dürfen mit Jesus Freundschaft haben. Er nennt uns seine Brüder und Schwestern.
Für die gesetzesgläubigen Juden was das alles zu viel! Das geht doch alles gar nicht.
Die legitimen Nachkommen Abrahams, die sich Gott erwählt hat, sind doch wir.
Jesus selber geht mit ihnen hart ins Gericht und sagt in Lukas 3,8:
«Bringt Früchte, die zeigen, dass es euch mit der Umkehr ernst ist, und denkt nicht im Stillen: ›Wir haben ja Abraham zum Vater!‹ Ich sage euch:
Gott kann Abraham aus diesen Steinen hier Kinder erwecken.“
Auch Johannes berichtet in Kapitel 8 von einer Auseinandersetzung Jesu mit den Juden über Abraham als er zu ihnen sagt:
Wenn ihr meinen Worten glaubt, dann werdet ihr frei sein und wirklich meine Jünger.
Da sagten die Juden: Wir sind Nachkommen Abrahams! Wir waren immer frei und niemals Sklaven.
Jesus: «Ihr seid Sklaven der Sünde! Abraham hätte sich gefreut mich wiederzusehen, nicht so wie ihr!»
«Du willst Abraham gesehen haben? Du bist keine 50 Jahre alt!»
«Amen ich sage euch: ehe Abraham wurde, war ich.»
Da hoben sie Steine auf um sie auf ihn zu werfen… Jesus aber verbarg sich im Tempel.
Dies sind nur zwei Episoden aus vielen Bibelstellen mit Bezug zu Abraham, die zeigen, wie Jesus den Kreis zu Abraham schliesst.
Jesus ist eben mehr als Abraham, da er vor ihm war und ein ewiges Priestertum innehat.
Zu sagen: «wir sind Abrahams-Söhne» reicht Gott nicht aus. Er will unser Herz, unsere Hingabe.
So hat Gott schon Abraham und alle seine fremden Knechte aus Gnade gerettet.
Und nicht weil sie vor dem Gesetz, das es noch gar nicht gab, bestanden hätte.
Abraham glaubte gegen jede Vernunft aber er glaubte, dass Gott Isaak auch wieder von den Toten erwecken könnte, daher war er bereit ihn zu opfern.
So ist Abraham auch unser Glaubensvater! Weil durch Jesus sein Segen auf uns übergeht.
Weil Gott den Bund der Gnade geschaffen hat, dürfen wir zu seinem Volk gehören.
Fazit:
Was heisst das jetzt alles für uns? Wo ist das heute noch relevant?
Zur Zeit Jesu, kannte alle Abraham und den Namen Gottes.
Heute muss man erklären, dass es einen Gott gibt, dass der einen Sohn hat und von Abraham fangen wir am besten gar nicht an, sonst überfordern wir die Leute.
Aber für jeden der Jesus schon kennt, oder gerade dabei ist ihn kennen zu lernen, glaube ich, dass die Abraham-Geschichte eine tiefe Wahrheit für uns enthält.
Viele von uns kommen aus zerbrochenen Familien, wurden vom eigenen Umfeld abgelehnt und nicht verstanden.
Wir sehnen uns nach einem Ort, wo wir dazugehören: Mit Abraham als Vater und Jesus als Freund und Bruder, haben wir die wohl beste Familie, die es gibt.
Zudem hat Gott mit der Gemeinde, der Kirche, einen Ort für seine Familie geschaffen, der uns ein neues Zuhause bietet.
Auch Abraham musste aus seinem Land ausziehen und sich aufmachen ins Ungewisse.
Gott vertrauen, dass alles gut kommt, auch wenn er nicht wusste wie.
Ich glaube, das kennen wir auch. Und sind froh, dass wir den Weg nicht alleine gehen müssen.
Für mich persönlich, ist Abraham ein Vorbild in der Geduld und am Festhalten an der Verheissung.
Vergessen wir nicht, dass sich die Verheissungen nicht unmittelbar erfüllt haben, sondern erst über lange Zeit.
Dank Abraham weiss ich: Schlussendlich kommt alles gut.
Gott hat einen guten Plan mit mir, mit meinem Leben, auch wenn ich jetzt noch nicht alles sehe.
Ich weiss nicht, wie es euch geht, aber manchmal muss man etwas nicht nur einfach hören.
Sondern eine Verheissung annehmen und darin leben.
Die Erkenntnis muss sozusagen vom Kopf ins Herz fliessen und in die Hand.
Wer bin ich? Und was ist meine Bestimmung?
Mir hat das Nachdenken in der Vorbereitung auf diesen Input geholfen, erneut das Grosse Ganze zu sehen.
Ein Gott, der einen Plan mit den Menschen hat und mich miteinbezieht.
Das darf schlussendlich auch meine Identität prägen und nicht, wie die Menschen mich sehen.
Gott schenkt mir eine neue Identität. In Jesus habe ich ein neues Leben.
Das geht soweit, dass wir alle eines Tages einen neuen Namen erhalten werden, wenn sich im Himmel alles erfüllt:
Offenbarung 2,17: Wer durchhält und den Sieg erringt, wird Brot vom Himmel essen, und ich werde ihm einen weißen Stein geben. Darauf steht ein neuer Name, den nur der kennt, der ihn erhält.«
Es gibt ein Leben nach dem Tod und das wird wunderbar sein. Wir werden einen neuen Namen erhalten, den Gott uns gibt.
Also ich weiss nicht, wie es euch geht, aber mich nimmt es jetzt schon wunder, was mir Gott mal für einen Namen gibt.
Eines weiss ich aber auf jeden Fall: Er wird zu 100% zu mir passen, weil er mich durch und durch kennt und liebt und ich mich dann mal riesig freuen werde.
Schluss:
Sehen wir nur den Stein, den wir gerade Klopfen, oder den Dom der Gott mit uns baut?
Ich hoffe ich konnte euch ansatzweise etwas von Gottes Vision für die Menschheit vermitteln.
Ganz begreifen werden wir es nie, aber es versetzt uns immer wieder ins Staunen, in welch grossen Dimensionen Gott denkt.
Ich glaube die Gemeinde, die Kirche, von Jesus Christus, ist Teil von Gottes Plan für die Menschheit.
Darum liebe ich die Kirche. Weil es der Dom ist, den Gott baut.
Als Baptisten wissen wir, Gott baut sein Haus nicht aus toten Steinen.
Wir brauchen ihm kein Gebäude, wie in Barcelona zu errichten, auch wenn es sicher eindrücklich ist.
Gott baut sein Haus aus lebendigen Steinen und diese lebendigen Steine sind wir!
Was kann es erfüllenderes und sinnstiftenderes geben, als an diesem Dom mitzubauen?
Korinther 3.9: Denn wir sind Gottes Mitarbeiter: Gottes Ackerfeld und Gottes Bau.
Ich liebe die Kirche Bild, weil ich glaube, dass sie Teil von etwas Grösserem ist.Nämlich von Gottes faszinierendem Projekt für die Menschheit und ich darin ein Mitarbeiter Gottes sein darf.
Wenn ich diese Sichtweise einnehme, klopfe ich nicht nur Steine!Sondern dann baue einen Dom, egal in welchem Bereich der Kirche und in welche Menschen ich mich investiere.
Wenn wir den Grossen Zusammenhang sehen, sind wir Teil dieses Abraham-Projekts.
Die Geschichte Israels im Alten Testament wird zu meiner Geschichte.
Wir sind sein Volk, geprägt von Liebe, getragen von Gnade.
Am Horizont sehen wir bereits, wie sein Wort bis ans Ende der Welt zu allen Völkern getragen wird und erwarten die Wiedervereinigung mit Jesus.
In diesen Sinne hoffe ich, dass ich euch heute neu inspirieren konnte.
Vielleicht gibt es dir eine Antwort auf die Frage: Wer bist ich? Was prägt meine Identität?
Vielleicht enthält es eine Antwort auf die Frage: Warum du die Kirche liebst?Auch Jesus liebt die Kirche, vielleicht liebt ihr sie beide aus den selben Gründen?
Gerne gebe ich euch jetzt etwas Zeit diese Fragen für euch zu reflektieren, oder nehmt sie mit in eure neue Woche, in eure Kleingruppe oder Familie.
Aber vorher möchte ich euch zum Abschluss den Abrahams-Segen zusprechen, als seine geistigen Nachkommen, als Sterne am Himmel, die Abraham verheissen sind: 1. Mose 12,3
«Ein Segen sollst du sein. Ich werde segnen, die dich segnen; wer dich verwünscht, den werde ich verfluchen. Durch dich sollen alle Sippen der Erde Segen erlangen.“
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